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Pop-Up Bücher zum Anfassen

Die Ausstellung für Leser von 1 - 100 Jahren lief vom 19.04. bis 26.04.10 in der Volksbank Überlingen. Organisiert und finanziert war sie von unserem Mitglied Isabel Syrbius mit Unterstützung der Volksbank Überlingen.



"Wissenswertes über Pop-Up Bücher" (von Isabel Syrbius)


Foto: Christine Kranz von der Stiftung Lesen

Die ersten aufklappbaren Bücher kennen wir aus dem Mittelalter (ab 1200). Es waren Sachbücher für Erwachsene, bei denen man zum Beispiel in das Innere des Menschen hineinschauen konnte. Ärzte und Hebammen konnten so lernen, wo die Organe liegen. In der Renaissance erschienen dann die ersten Bücher mit Drehscheiben zur Darstellung von Planetenbewegungen und anderer mechanischer Phänomene. Pop-Up Bücher für Kinder kamen erst viel später auf (ab 1780). Zunächst gab es Verwandlungsbücher z. B. mit Teilen zum Umklappen, danach Anziehpuppen und ab 1850 Theaterbilderbücher mit Kulissen in mehreren Ebenen.  

 

Eigene originelle Zieh- und Klapp-Bilderbücher erfand 1878 der Deutsche Lothar Meggendorfer; das erste als Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn. Damals wurden diese Bücher mit kleinen Spiralen und versteckten Drähten aus Kupfer animiert und man zog nicht an Papierlaschen wie heute, sondern an Bindfäden mit kleinen Holzkugeln daran.  

 

Ein solches Buch über Grimms Märchen besaß mein Großvater. Es war etwas ganz Besonderes, wenn wir miteinander das Buch anschauten, und ich war immer wieder fasziniert von den beweglichen Figuren. Ganz besonders gefiel mir Dornröschen, wo der Moment gezeigt wurde, in dem mit dem Kuss des Prinzen Dornröschen und das ganze Schloss wieder erwachen und der Küchenjunge vom Koch die Ohrfeige bekommt, weil er genascht hat. Leider gibt es dieses Buch nicht mehr, doch ich habe wahrscheinlich gerade deshalb mit dem Sammeln von Pop-Up Büchern angefangen. Die originellsten Pop-Up Bücher werden übrigens heute von der MBS (Movable Book Society) mit dem "Meggendorfer Prize" ausgezeichnet.  


In England und später Amerika produzierte ab 1877 der Verleger Ernest Nisteraus Nürnberg erfolgreich Pop-Up Kinderbücher, von denen hier zwei als Reprint gezeigt werden. Mit dem ersten Weltkrieg kam die Produktion von Pop-Up Büchern zum Erliegen und erholte sich erst nach 1930 langsam wieder, woran auch Walt Disney maßgeblich beteiligt war.

 

Heute gibt es wieder berühmte Pop-Up Konstrukteure, die durch ihreoriginellen Ideen auffallen: Ron van der Meer, David A. Carter und Kees Moerbeek sind nur einige von ihnen. (New at the Zoo, Farben, Ach du dicker Fisch!) Durch den Erfolg des Pop-up Buches ist der neue Beruf des Papieringenieurs entstanden.

 

Die meisten Pop-up-Bücher kommen inzwischen aus Amerika, weshalb hier auch ein Anteil amerikanischer Bücher gezeigt wird. Pop-Up Bücher sind in der Herstellung aufwendig und werden zumeist in Südamerika und China produziert, da die Lohnkosten dort geringer sind. Das Pop-Up Sachbuch, mit dem im Mittelalter alles begann, gibt es immer noch (Der Regenwald).


LESEZEICHEN e.V.

Sibylla Kleffner
Stellvertr. Vorsitzende
Seestraße 41

D-88662 Überlingen
Fon: +49. 7551. 6 19 89
Fax: +49. 7551. 94 81 96



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