Grußwort Ralf Brettin
"Meine Damen und Herren, ich darf Sie recht herzlich hier begrüßen in der Kapuzinerkirche. Das Amt des Bürgermeisters hat ja den Vorteil, dass man so ab und zu auch mal zu einem ganz eigenen persönlichen Lieblingsthema etwas sagen kann, und das ist heute Abend der Fall, und darüber freue ich mich sehr.
Besonders begrüßen möchte ich Herrn Dr. Bueb als Vorsitzenden des Vereins Lesezeichen, Frau Christina Walz, Mitbegründerin des Vereins und die Ideengeberin für diese Kinder- und Jugendbuchtage, Herrn Jörg Stocker, Präsident des Rotary Clubs Überlingen – der Rotary Club hat ja dieses Projekt zu seinem Jahresprojekt gemacht und hier großzügig unterstützt – und last, but not least – Frau Sibylla Kleffner, die sich so viel Mühe und Einsatz für dieses Thema, für diese Woche, gemacht und geleistet hat.
Eine ganz besondere Veranstaltung in Überlingen, eine Veranstaltung, die jungen Menschen das Buch nahe bringen soll, Kindern und Jugendlichen Spaß machen soll am Lesen. Wer liest, erlebt spannende Dinge, erlebt Zeiten – die heutige, die Vergangenheit, vielleicht die Zukunft, kann mal über den Tellerrand des eigenen Lebens hinaussehen, seinen Horizont erweitern. Vor allen Dingen, wer in jungen Jahren damit anfängt – ich kann das aus eigener Erfahrung sagen – der bleibt dann, wenn’s gut geht, ein ganzes Leben dabei und hat da einen Schatz gefunden, auf den man immer wieder bis ins Alter zurückgreifen kann.
Menschen mit Lesekompetenz hatten es immer einfacher, ihre ganz persönlichen und die Probleme in der Gesellschaft anzupacken und zu lösen. Lesen bedeutet Bildung, und Bildung macht urteilsfähig. Gute Bildung ist der Schlüssel für eine gute Zukunft nicht nur für den Einzelnen, sondern für eine Stadt und für ein ganzes Land. Lesen ist ein wichtiger Hintergrund für Bildung, insbesondere wenn wir uns heute die Medienlandschaft anschauen. Die elektronischen Medien sind stark auf dem Vormarsch. Man muss sie natürlich vernünftig nutzen, aber wir twittern und wir bloggen und haben uns letztlich immer weniger zu sagen. Und das Lesen ist sozusagen ein Korrektiv dazu – eine slow food Information in unserer fast food Informationsgesellschaft. Und damit ist Lesen auch ein Schritt in die Selbständigkeit, in die eigene Meinung. Dazu drei Sätze:
Das Erste: Lesen macht Spaß!
Ich denke, das wird jeder auch aus seiner eigenen Zeit als Kind und Jugendlicher noch wissen. Man war gespannt, wie gehen die Geschichten aus, wie gehen sie weiter. Man hat mit seinen Helden mit gefiebert, ob sie nun Jim Hawkins oder Momo heißen. Der eine oder andere wird das Buch unter die Decke mitgenommen haben mit einer Taschenlampe, und es war spannend, es hat Freude gemacht. Lesen macht einfach Laune. Und auch heute hat man ja die Möglichkeit, mit Piraten, mit Gespensterjägern unterwegs zu sein oder mal mit Harry Potter in eine Zauberschule zu gehen; also Dinge, die man sonst im alltäglichen Leben ja gar nicht kann.
Das Zweite: Lesen macht stark!
Lesen macht stark im Kopf. Wer liest, bildet sich seine eigene Meinung, lässt sich nicht mehr so ohne weiteres von anderen etwas vormachen, und wer schon einmal so einen ganz dicken Wälzer durchgelesen, durchgeackert, durchgearbeitet hat, der weiß auch, dass sich die eigene Meinung nicht von jetzt auf gleich bildet, und der weiß auch, dass er sich nicht von jedem etwas vormachen lassen kann.
Das Dritte: Lesen macht tolerant!
Wer liest, wer viel liest und auch viel Verschiedenes liest, der wird irgendwann einmal merken, dass unabhängig von Alter, Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht eines Menschen oder Glaubensrichtung es möglich ist, dass da anrührende Gedichte, spannende Romane und flammende Appelle für die Freiheit herauskommen können. Man wird lernen, dass auch andere ihre Meinung haben. Man wird lernen, sich mit Dingen, die vielleicht zuerst einmal fremd sind, positiv auseinander zu setzen und nicht gleich von vornherein abzulehnen und – so hoffe ich doch – friedlich mit dem anderen umzugehen.
Eintausendfünfhundert bis zweitausend Kinder und Jugendliche haben diese Kinder- und Jugendbuchtage in Überlingen erreicht. Es sind viele interessante und faszinierende Veranstaltungen gelaufen, und es müssen sich natürlich eine Menge Leute dafür einsetzten, dass so etwas zustande kommt. Daher gilt mein Dank aus Sicht der Stadt Überlingen allen Sponsoren, allen Organisatoren, allen, die ehrenamtlich und aus Freude zum Gelingen der Veranstaltung mit beigetragen haben, und natürlich als aller-erstes den lesebegeisterten Kindern und Jugendlichen.
Ich wünsche uns nun einen schönen Abschlussabend, einen sehr schönen Frühlingsabend – wie er ja verspricht zu werden draußen – und darf damit diese Veranstaltung für eröffnet erklären. Vielen Dank!"
LESEZEICHEN e.V.
Sibylla KleffnerStellvertr. Vorsitzende
Seestraße 41
D-88662 Überlingen
Fon: +49. 7551. 6 19 89
Fax: +49. 7551. 94 81 96


